Im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht die Stadt Ellwangen nicht oft, und tut sie es doch, dann hätte sie meist gerne darauf verzichtet. Sei es beispielsweise im historischen Kontext der Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts oder – etwas aktueller – im Zusammenhang mit Problemen in der Landeserstaufnahmestelle und dem Streit um die Zukunft des Klinikums. Daher schätzt man in Ellwangen eher die leisen Töne und meidet unnötigen Rummel.

Vielleicht dachten sich das auch die damaligen Landesherren der gefürsteten Propstei Ellwangen (1460-1802), wenn sie sich hin und wieder in ihrem kleinen Land nördlich der Schwäbischen Alb aufhielten und von ihren größeren Regierungsgeschäften und Verantwortlichkeiten „ausspannten“.
Die Propstei Ellwangen war mit rund 500 Quadratkilometern etwa dreimal so groß wie das heutige Fürstentum Liechtenstein. Die meisten Fürstpröpste stammten aus einflussreichen Adelsfamilien und Herr- scherhäusern und machten diesen Job nur nebenher. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg beispielsweise amtierte außerdem als Hochmeister des Deutschen Ordens und Fürstbischof von Breslau. In erster Linie aber war er in seiner Eigenschaft als Kurfürst und Erzbischof von Trier (und später Mainz) Erzkanzler des Reichs und gehörte damit zum engsten Kreis derer, die den Rö- misch-Deutschen Kaiser wählten und be- rieten. Der Habsburger Leopold I. war ganz nebenbei Franz Ludwigs Schwager, womit sich dieser Ellwanger Fürstpropst in den allerhöchsten Zirkeln der europäischen Kontinentalpolitik bewegte und dort auch politisches Gewicht hatte.
Die Ellwanger Fürstpröpste waren Männer von Format und herausragender Bildung. Selbst der berüchtigte „Hexenjäger“ Johann Christoph v. Westerstetten (Regierungszeit 1603-1612) lebte in Ellwangen nicht nur seinen verheerenden Dämonen- glauben aus, sondern traf auch weitsichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen, die sich auf den Wohlstand des Landes sehr günstig auswirkten. Die aufgeklärten Absolutisten, die nach ihm kamen, machten aus der Residenzstadt Ellwangen das barocke Kleinod, das sie heute ist. Wissenschaft und Kunst hatten hier immer einen festen Platz.
„Unterm Krummstab ist gut leben“ – so lautete ein altes Sprichwort. Man konn-te es vor 300 Jahren tatsächlich schlechter treffen, als Untertan der Ellwanger Fürstpröpste zu sein.
